Vaterschaft

Es gibt wohl keinen anderen Lebensbereich, in dem sich meine eigene Weltanschauung so radikal von der allgemein üblichen unterscheidet. Die meisten Menschen werden noch nicht einmal auf die Idee kommen Väter und ihre Rolle in der Gesellschaft in Frage zu stellen und mit Rolle meine ich nicht die biologische Komponente, sondern die soziale.
Dass auch die Gesellschaft die unterscheidet ist, ist den meisten Menschen weder bekannt noch bewusst. Doch Vater im Sinn der Gesetze ist nicht der biologische, sondern der soziale Vater, der Ehemann soweit vorhanden. Es ist ja noch nicht so lange her, dass eine Mutter ohne Ehemann selten und für viele nahezu unvorstellbar war. Ich habe das noch selbst erlebt, musste in meiner Jugend noch Sex in freier Natur haben, weil meine Mutter eine Anklage wegen Kuppelei fürchtete. Prüderie war damals noch Gesetz.
Auch heute unterscheidet das Gesetz noch zwischen Vater und Erzeuger, obwohl man versucht diese Regelung an die existierenden Lebenswelten der Menschen anzupassen. Doch für das System ist es bedeutungslos, wer der biologische Vater ist. Es ist nur daran interessiert jedem Kind einen Vater zuordnen zu können. Ledige Mütter werden spätestens nach der Geburt eines Kindes von den Behörden aufgefordert einen Vater zu nennen und sogar unter Druck gesetzt, um den Namen des Vaters zu erfahren.
Warum ist das so wichtig?
Vaterschaft ist die Basis des Patriarchats. Auch wenn sich die Normen der Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten geändert haben und das Sorgerecht nicht mehr unabänderlich dem Vater gehört, können Männer immer noch in vielen Fällen Frauen über die Rechte an deren Kindern beherrschen. Es mag Frauen geben, die lieber ihre Kinder als ihre Freiheit aufgeben. Doch die muss man immer noch suchen.
Frauen durch die Rechte an ihren Kindern zu beherrschen mag in grauer Vorzeit der Grund für die Einführung der Vaterschaft gewesen sein. Da das lange vor der Erfindung der Schrift geschah, lässt sich der Ursprung heute nicht mehr beweisen. Es gibt ja noch einen anderen Grund, warum sie und das auch heute noch so wichtig für das System ist.
Jedem Kind einen Vater zuzuweisen befreit Männer von Verantwortung. Sie sind nicht mehr für jedes Kind verantwortlich, müssen nicht mehr für jedes Kind sorgen, nicht mehr jedes Kind ernähren. Vaterschaft ist die nie genannte Ursache für Kinderarmut.
Genau deshalb lehne ich sie ab.