Nur ein Märchen (Lyrik)

Intro
Steckt in Märchen eine Wahrheit,
nur gut vor uns verborgen?
Im Märchen führt ja alles Leid
nur in ein sorgenfreies Morgen.
Doch wird im Leben alles gut
wie das Märchen es erzählt?
Oder zählt nicht,was man tut,
nur dass man Recht behält?
Ob im Märchen Wahrheit steckt
muss jeder selbst erkennen.
Wer auf der Folterbank verreckt
kann dir den Täter nennen.

Brudermord
Als Menschen noch in Höhlen lebten,
mit Birkenpech die Speere klebten,
lebten unter Felsgestein
Abel und sein Bruder Kain.
Die Brüder waren schon als Kind
verschieden, so wie Sturm und Wind.
Kain wurde ein geschickter Jäger,
Abel wurde Faustkeilschläger.
Abel saß oft bei den Frauen
statt Klingen aus dem Stein zu hauen.
Er konnte mit den Frauen lachen
und sie auch anders glücklich machen.
Kain war meistens laut und wild
und seine Lust blieb ungestillt.
Weil auch Kain ein Weib begehrte,
sich heiß nach ihrem Leib verzehrte,
doch die Frau nur Abel wollte,
kam, was nicht passieren sollte.
Als Kain sie eng umschlungen fand
verlor er völlig den Verstand
und wutentbrannt schlug plötzlich Kain
dem Abel grob den Schädel ein.
Die Sippe hielt deshalb Gericht
und gab schon bald bekannt:
„Wir dulden solche Taten nicht,
der Brudermörder wird verbannt.“
Und so saß am Abend Kain
fern der Sippe ganz allein.

Der Prophet
Wegen diesem Brudermord
jagte Kain man aus dem Ort,
verbot ihm jede Wiederkehr.
Kain hatte keine Sippe mehr.
Von Ferne hörte er die Frauen singen
und die Worte trafen ihn wie Klingen:
Freie Frauen lieben, wen sie wollen.
Freie Frauen ficken nicht mit Trollen.
Freie Frauen wollen freie Liebe.
Freie Frauen haben eigne Triebe.
Grimmig waren die Gedanken,
die in Schmerz und Wut ertranken.
Denn auch an diesem fernen Ort
verfolgte ihn noch jedes Wort.
Noch immer hörte er die Frauen singen
und die Worte trafen ihn wie Klingen:
Freie Frauen lieben, wen sie wollen.
Freie Frauen ficken nicht mit Trollen.
Freie Frauen wollen freie Liebe.
Freie Frauen haben eigne Triebe.
Auf der Flucht vor diesen Stimmen
musste Berge Kain erklimmen,
hörte zwischen harten Steinen
Winde in den Spalten weinen
und in zahlreichen Visionen
Wesen, die im Himmel wohnen,
zwischen Sternen residieren,
ihm die Botschaften diktieren:
Zieh in Gottes Namen aus
die Botschaft zu verkünden:
Frauen sind des Teufels Werk
und Grund für alle Sünden.
Und so zog Kain durch die Lande
und sprach stolz zu jedem Mann,
dass er allein die Wahrheit kannte
und so fing das Unheil an.
Aus dem Frauenhass geboren
entstand der Wahn der Religion,
denn Kain folgten viele Toren
und setzten ihn auf ihren Thron.
Und man machte mit Gesetzen
Eigentum aus jedem Weib.
Jenen, die sich widersetzen,
warf man Steine auf den Leib.
Öffentlich als große Schau
und das Volk ging fröhlich hin,
rief im Chor aus Kehlen rauh:
Tot der Ehebrecherin.

Die Jünger
Kains Jünger fanden neue Thesen,
lernten in den Sternen lesen,
Sonnenlauf vorher zu sagen
und Finsternis an hellen Tagen.
Große Macht gab dieses Wissen
und von Größenwahn gebissen
schufen sie in Gottes Namen
für Gedanken einen Rahmen.
Sie erfanden neben Zahlen
auch Paradies und Höllenqualen,
um die Menschen zu bekehren,
damit die ihre Götter ehren.
Sie ließen Monumente bauen,
um dann von dort herab zu schauen
auf jene, die die Köpfe neigen
ihren Gehorsam so zu zeigen.
Stetig wuchs der Jünger Macht,
denn nicht nur hinter den Kulissen
hat man Leugner umgebracht
und lies das alle Leute wissen.
So entstand die Priesterkaste
aus den seltsamen Visionen,
bis jeder freie Frauen hasste,
weil in ihnen Teufel wohnen.

Die Saat
Ein paar schlaue Menschen lernten
wie man Ackerbau betreibt
und Getreide so zu ernten,
dass noch etwas übrig bleibt.
Um die Felder zu bestellen
wurden seßhaft die Nomaden
und in Kleidung statt in Fellen
aß man nun der Gräser Saaten.
Die neue Kunst des Ackerbaus
machte zu Besitz die Erde.
Statt Zelten baute man ein Haus.
Stetig wuchs die Menschenherde.
Völker wurden aus den Sippen
und nun hatte jeder Mann
ein Gebet auf seinen Lippen
und es herrschte ein Tyrann.
Auch der musste sich verneigen
vor dem ausgedachten Gott,
deutlich seinen Glauben zeigen.
Auch ihm drohte das Schafott.
Noch immer hatten Pfaffen
die wahre Macht in ihrer Hand.
Worte sind die besten Waffen,
sie beherrschen den Verstand.
Alle mussten etwas geben,
um die Tempel zu erneuern.
Manche gaben gar ihr Leben,
alle andren zahlten Steuern.
Auch der König baut Paläste
und verteilt das Land als Lehen,
feiert mit den Priestern Feste.
Das Volk muss in die Röhre sehen.
Aus dem Überfluss entstand die Gier,
der Reiche hat ja nie genug.
Dem Armen gab man etwas Bier,
damit er brav die Lasten trug.
Auch der König muss mal sterben.
Wer bekommt jetzt seinen Thron?
Wer soll seinen Reichtum erben?
Der Priester sagt: Der erste Sohn.
So hat man jede Frau betrogen
um ihren Teil am Überfluss.
Man hat mit Göttern sie belogen,
damit der Mann nicht teilen muss.

Intermezzo
Der Klerus wurde homophob,
sang nur noch der Ehe Lob.
Im Gesetz stand nun geschrieben:
Männer sollen Frauen lieben.
Frauen sollen Männer lieben.
Die Menschen hatten keine Wahl,
man wachte über die Moral.
Die Unzucht wurde ausgetrieben.
Männer sollen Frauen lieben.
Frauen sollen Männer lieben.
Streng war die Sittenpolizei
und machte so, dass nebenbei
Gefühle auf der Strecke blieben.
Männer sollen Frauen lieben.
Frauen sollen Männer lieben.

Expansion
Um an Einfluss zu gewinnen
zog der König in den Krieg.
Menschen starben auf den Zinnen,
doch es zählte nur der Sieg.
Opfer waren auch die Frauen,
man nahm sie nun mit Gewalt
und in diesem ganzen Grauen
wurden nur die Priester alt.
Sie spendeten der Götter Segen
für der Krieger stolze Schar,
um sich dann ins Bett zu legen
bis die Schlacht vorüber war.
Arme Schlucker mussten sterben
weil sie jedes Märchen glauben,
während Prinzen Reiche erben
und Feinde ihre Frauen rauben.
Immer waren es die Schwachen,
die für diesen Irrsinn zahlen,
während ihre Herren lachen
und mit ihren Siegen prahlen.
Und als Hüter süßer Worte
lachten Priester fröhlich mit,
während an fast jedem Orte
das Volk an ihrem Wahnsinn litt.
So entstanden große Reiche
aus dem Leben der Soldaten.
Jeder Meter eine Leiche
und man lobte diese Taten.
Man baute stolz die Siegessäulen
und ein Denkmal für die Toten,
lies dort ein paar Mütter heulen
und suchte neue Idioten.
Denn die Idee von der Nation,
das Märchen von dem Vaterland,
wurde auch zu einer Religion
und ersetzte den Verstand.

Die Spaltung
Nach Jahren trauter Einigkeit
gerieten Priester dann in Streit
welcher Gott der echte sei
und die Kirche brach entzwei.
Für den Glauben griffen Pfaffen
nun auch selbst zu scharfen Waffen
führten selbst die neuen Heere
für die einzig wahre Lehre.
Und mit Gott statt mit Verstand
setzten Städte sie in Brand,
ließen für den wahren Glauben
vergewaltigen und rauben.
Hin und her tobte der Krieg,
auf Niederlage folgte Sieg,
und wieder starben Zivilisten,
die die falsche Fahne hissten.
Sich den Schädel einzuschlagen
ist seit Kain an vielen Tagen
Alltag an fast allen Orten.
Endet jemals all das morden?

Hexenjäger
Auf die Kriege folgten Seuchen
und Tod durch Pest und Cholera.
Laut hörte man die Priester keuchen:
„Der Teufel ist schon wieder da.“
Man flehte um der Götter Huld
und fastete mit Brot und Wein,
fragte: „Wer ist daran schuld?“
„Das müssen Teufelsjünger sein.“
„Doch wie sollen wir erkennen,
wer zu der Teufelsbrut gehört?“
„Sie können Satans Namen nennen,
wenn man richtig sie verhört.“
Aus Priestern wurden Hexenjäger,
um den Teufel zu vertreiben,
während sich perverse Schläger
freudig schon die Hände reiben.
Die sprachen gern von Wahrheitsproben
mit Befragungsinstrumenten,
wenn sie in schwarzen Priesterroben
Finger von der Hand abtrennten.
Mit Streckbett oder Daumenschrauben
lies man Folteropfer schreien,
um die Welt für den Glauben
von den bösen Hexen zu befreien.
Es waren wieder einmal Frauen
häufig Opfer gläubiger Sadisten,
denn die hielten in den Klauen
sehr spezielle Folterlisten.
Im Glaubenswahn der Hexenjagden
wurden so im ganzen Land
die als Hexen Angeklagten
als Warnung öffentlich verbrannt.
Wie viele in den dunklen Tagen
durch den Wahn der Religionen
starben, kann heut niemand sagen.
Das Unheil kam mit den Visionen.

Die Zweifler
Weil sich der heiße Sonnenball
nicht um die Erdenscheibe dreht
fragten Sternengucker überall,
warum das in den Büchern steht,
mit denen uns die Priester lehren
wie Götter diese Welt erschufen.
Warum soll man sie noch ehren,
wenn sie zum Gebet uns rufen.
Niemand kann die Götter sehen,
von denen die Propheten reden.
Warum soll man zur Messe gehen
und ständig um Vergebung beten?
Warum soll man noch bezahlen
für einen Eimer voller Lügen?
Der Priester will mit Höllenqualen
uns nur um unser Geld betrügen.
Nur heimlich stellte man die Fragen,
noch hatten Priester zu viel Macht
und man durfte noch nicht sagen,
dass man über Götter lacht.
Doch so sollte es nicht bleiben,
die Zweifler wurden immer mehr,
ließen sich nicht mehr vertreiben
und die Kirchen blieben leer.
Noch immer kriechen viele Leute
den Pfaffen in den schlaffen Po,
doch ich bin hier und heute
ganz ohne Götter meistens froh.
Noch immer kriechen viele Leute
den Pfaffen in den schlaffen Po,
doch ich bin hier und heute
ganz ohne Götter meistens froh.

Auferstehung
Noch immer wollen viele Pfaffen
gern in unsre Betten gaffen,
Hass mit ihren Worten schüren,
Menschen in die Irre führen.
Doch die alten Religionen,
Götter, Teufel und Dämonen
haben Konkurrenz erhalten.
Vielfalt konnte sich entfalten.
Es gibt so manchen Götzenkult.
Ohne Sünde, ohne Schuld
verehrt nun jeder, was er will
ohne Zwang und ohne Drill.
Geld ist Religion geworden
und statt einem simplen Orden
bekommen Sieger eine Yacht.
Schade nur, dass niemand lacht.
Doch es gibt auch gute Zeichen.
Wo die Religionen weichen
und Vernunft das Land regiert
der Frauenhass an Macht verliert.
Die Idee der Menschenrechte
verhindert zwar nicht alles Schlechte,
dass dem Menschen innewohnt.
Für Frauen hat sie sich gelohnt.
Manche Männer, unbelehrt,
rufen: Frauen an den Herd.
Doch die Zeit der Sklaverei
für die Frauen ist vorbei.
Jetzt hört man wieder Frauen singen,
um die Lust zurück zu bringen.
Freie Frauen lieben, wen sie wollen.
Freie Frauen ficken nicht mit Trollen.
Freie Frauen wollen freie Liebe.
Freie Frauen haben eigne Triebe.

Erlösung
Was wird uns die Zukunft bringen?
Denken kann man nicht erzwingen.
Doch man kann die falschen Lehren
endlich in die Gosse kehren.
Statt schon Kinder zu belügen,
damit sie sich dem Dogma fügen
und so neuen Hass zu züchten,
füttert sie mit süßen Früchten.
Lehrt sie ohne Furcht zu lachen,
um die Liebe zu entfachen
zu der Welt und allen Dingen,
statt sie zum Gebet zu zwingen.
Man kann uns von allem Bösen
nicht durch Religion erlösen.
Doch wir können Frieden schaffen
ohne Frauenhass und Pfaffen.
Stell dir vor, wir würden teilen
statt von Sieg zu Sieg zu eilen
und befreit von fernen Zielen
fröhlich miteinander spielen.
Stell dir vor, wir könnten lachen,
wenn wir einen Fehler machen
und befreit von Religionen
friedlich miteinander wohnen.
Erlösung können wir nur finden
wenn wir uns nicht ans Leben binden.
Der Tod wird doch zu jedem kommen,
verschont trotz Glauben keinen Frommen.
Nur hier und jetzt kann uns das Leben
einen Moment der Freude geben.

Coda
Steckt in Märchen eine Wahrheit,
nur gut vor uns verborgen?
Im Märchen führt ja alles Leid
nur in ein sorgenfreies Morgen.
Doch Leben ist nicht sorgenfrei,
wir leben nicht in Märchenwelten.
„Es war einmal.“ war schon vorbei,
bevor wir Märchen uns erzählten.
Die echte Welt voll Not und Leid
ist nicht von Göttern ausgedacht.
Den Alltag voll von Gier und Streit
haben wir uns selbst gemacht.

Ähnlichkeiten mit der abendländischen Geschichte sind beabsichtigt und sollen zum denken anregen.