Ich habe keinen Bock auf kiffen. Habe ich an keinem Morgen. Ein klarer Kopf ist geistig einfach der bessere Zustand. Außer ab und zu. Musik lässt mich Musik intensiver wahrnehmen und fördert mein Spiel. Aber denken ist ohne Cannabis deutlich geradliniger, mit deutlich weniger Verkehr auf der Gedankenautobahn. Es tauchen auch so noch genug Abzweigungen auf, die mich dazu animieren wollen den vorhandenen Gedankenstrang zu verlassen und einm anderen zu folgen. Die Geschichte, an der ich schreibe, wirft immer noch mit Gimmicks nach mir. Es fällt mir nur leichter sie zu ignorieren als bekifft. Es sind auch weniger.
Der alte Mann will seine Medikamente nich nehmen. So kann man es auch formulieren. Ich jongliere auch ohne den zusätzlichen Input von Drogen ständig mit zu viel Baustellen. Text, Grafik, Musik. Jede Muse will mit mir schmusen und ich habe auch noch einen Haushalt.
Das scheint sich zum Kernproblem meines Hauptcharakters zu entwickeln. Er will sich einfach nicht mehr um all die lästigen kleinen Pflichten und Belästigungen kümmern, nur noch Musik machen und den Klängen des Universums lauschen. Ich wäre auch gern ein Avatar in der Boud. Bin ich im Prinzip ja auch. Die KI lernt durch meine Musik, wird durch meine Bewertung und jedes löschen trainiert. In Temu entsteht so ein virtueller Arpan. Ich habe auch in der KI einen eigenen Stil.
Und jetzt muss ich zurück an mein Mammutwerk.
Vor der Tür sitzen und einen Joint rauchen. Es ist nicht mehr verboten, ich tue es trotzdem heimlich. Ich will die friedliche Koexistenz mit den Leuten im Dorf nicht gefährden. Nach den viel zu vielen sozialen Konflikten der Vergangenheit ist sie mir mehr wert als diese neue Freiheit. Man riecht es leider, wenn irgendwo gekifft wird. Zur Mittagszeit ist aber hier niemand unterwegs. Dann kann ich meinen Tabak auch würzen.
Der Kick bleibt aus. Den gibt es seit Tagen nicht mehr. Dafür müsste ich die Dosis deutlich erhöhen. Die Veränderungen in meinem Gehirn sind nicht mehr so drastisch, subtiler. Aber es gibt sie. Die Anspannung, die mich den ganzen Morgen im Griff hielt, verschwindet langsam. Und mit ihr auch der Schmerz. Bald muss ich wieder mit der Flut an neuen Ideen jonglieren. Ich weiß immer noch nicht, ob sie ein Fluch oder ein Segen ist. Ich finde in den Ergebnissen keinen Unterschied, kann niemand sagen was mit klarem Kopf und was bekifft geschrieben wurde. Fantasie habe ich auch ohne Drogen. Doch bekifft tropft sie wie ein undichter Wasserhahn, stetig, unablässig, manchmal lästig.

