Nein. Das ist kein Schreibfehler. Ich will mich jetzt auch nicht wieder einmal an der absurden Verehrung eines Folterinstruments abarbeiten. Heute ist Schwerdonnerstag, ein Tag der Freude und doch für viele wie noch manch anderes Kulturereignis der Einstieg in eine oft lange und manchmal tödliche Leidensgeschichte.
Egal ob Karneval, Kirmes oder Oktoberfest. Grundlage der Fröhlichkeit an all diesen kulturellen Feiern ist der gemeinsame Drogenmissbrauch. Ohne Besäufnis kann man sich diese Tage nicht vorstellen. Vielleicht ist das sogar der Kleber, der die Gesellschaft zusammen hält. Das fragt aber besser einen Soziologen. Ich kann diesen Zusammenhang nur vermuten.
Was aber deutlich sichtbar ist, ist der kulturelle Kontext, der so erzeugt wird. Alkohol eine Droge zu nennen wird von vielen abgelehnt. Für die Mehrheit der Bevölkerung sind Bier und Wein einfach nur Genussmittel und der übermäßige Konsum ein toller Spaß. So lernt auch jedes Kind den Rausch als Teil der kulturellen Identität kennen, als etwas, das dazu gehört. Betrunken sein ist kein Makel, kein Fehlverhalten. Daran ändern auch die Aufklärungskampagnen der Regierung wenig.
Ja, die Zahlen der Neueinsteiger und der Bierkonsum sinken. Schön für die Statistik. Die Saufkultur bleibt Teil der konservativen Identität. Schon am Aschermittwoch werden Politiker wieder medienwirksam ihre Humpen heben. Das Bierzelt ist ihr Wohnzimmer. Ein Saftzelt ist ja auch auf keiner Kirmes zu finden.
Ich will jetzt nicht zur Abstinenz aufrufen. Prohibition funktioniert nicht. Auch der Vorschlag des Drogenbeauftragten die Preise deutlich zu erhöhen ist nur ein Schlag ins Gesicht der Geringverdiener. Die werden deshalb ja nicht weniger trinken, sondern nur noch ärmer werden.
Wenn wir als Gesellschaft die Zahl der Drogentoten und Suchtkranken durch diese Volksdroge reduzieren wollen, müssen wir die Kultur ändern. Wir müssen den Alkohol aus dem Sichtfeld der Kinder entfernen, den Suff nicht öffentlich propagieren. Ein Werbeverbot reicht dazu nicht.
Alkohol sollte weder in Tankstellen noch in Supermärkten verkauft werden dürfen. Öffentliche Großveranstaltungen sollten alkoholfrei stattfinden. Zumindest an den für Kinder zugänglichen Orten. Das wird keinen Säufer kurieren. Doch es wird zukünftigen Generationen nicht vermitteln, dass sich ins Koma zu saufen Teil der kulturellen Identität ist.

