Krieg ist weder eine menschliche Erfindung noch unnatürlich. Schimpansen führen Kriege und Ameisen begehen Völkermord. Krieg gehört zur Natur und ich kann den Krieger in mir fühlen. Er gehört zu meinem genetischen Erbe.
Doch muss ich, müssen wir diesem genetischen Erbe gehorchen? Wir haben ein Bewusstsein und können uns entscheiden, wie wir handeln. Meistens. Oder oft? Manchmal?
Ich kenne die unkontrollierbaren Zustände, wenn das genetische Erbe ungehemmt sein Potential entfaltet. Alkohol ist eine üble Droge. Zum Glück konnte ich ihr entkommen.
Doch jene, die Krieg predigen, sind nicht betrunken. Sie werden von Angst oder Gier getrieben und merken nicht einmal, dass man damit auch anders umgehen könnte. Wir lernen nicht, wie wir mit unsren Gefühlen umgehen sollen, sondern wie wir Kämpfe gewinnen. Kämpfe um bessere Noten, bessere Jobs, mehr Geld, mehr Macht, mehr Ansehen.
Wir leben im Krieg, täglich. Doch erst wenn die Bomben fallen, sehen wir den Krieg. Oder nennen ihn beim Namen.
Und wir ergötzen uns am Krieg, betrachten im bequemen Sessel Gemetzel und erfreuen uns daran. Unsere Geschichtsbücher sind Aufzählungen von Kriegen. Nichts scheint wichtiger zu sein. Wir feiern Sieger und schreiben ihre Namen in die Siegeslisten.
Dabei sehen wir nicht, dass nicht unsere Konflikte den Erfolg unsrer Art ermöglicht hat, sondern Kooperation. Stellt euch einmal vor, wir würden diesen Aspekt in den Mittelpunkt unsrer Weltsicht stellen. Nicht Sieger küren, sondern miteinander tanzen. Jeder nach seinen Möglichkeiten.
Wir brauchen keinen Krieg, um zu überleben. Weder gegen uns noch gegen die Natur. Wir können uns gegen den Krieg entscheiden. Theoretisch.

