Tag 12

Es ist dem interessierten Leser vielleicht schon aufgefallen. Ich schreibe viel über meine Vergangenheit. Ich beschreibe Erinnerungen, die mir wie wabernde Nebelschwaden in den Sinn kommen. Ich weiß, dass Worte sie nur schlecht beschreiben können und Erinnerungen nicht die tatsächlichen Ereignisse dokumentieren können. Doch sie lassen mich emotional ahnen, wer ich einmal war. Sie sind wie die Facetten eines geschliffenen Steins, in denen sich mein jüngeres Ich spiegelt. Ich bin jemand anderes.
Ich weiß nicht, ob andere Menschen das auch so stark empfinden täglich ein anderer zu sein. Ich wache auf und habe einen Tag, vielleicht auch nur noch ein paar Stunden zu leben. Der Tag wird anders sein, als der davor. Nicht unbedingt in den Routinen, obwohl ich davon nicht viele habe. Wann ich den ersten Kaffee koche steht nicht fest. Ich muss es wie jeden einzelnen Schritt entscheiden. Das war unpräzise. Ich kann ganz normal gehen. Doch wann ich wohin gehe braucht eine Entscheidung.
Ich habe versucht Routinen in mein Leben einzubauen. Montags einkaufen gehen, beim Bäcker einen Kaffee trinken. Ich muss da nicht mal bestellen. Ich nehme fast immer das gleiche Frühstück: eine Laugenstange und einen Kaffee. Das mag wie Routine aussehen. Doch es ist immer wieder anders. Es fühlt sich jedesmal anders an. Es geschehen andere Dinge, es kommen und gehen Leute. Manche sehe ich öfter.
Indem ich darüber schreibe, gelingt es mir das alles unbeteiligt von außen zu betrachten, zu ordnen, seinen Einfluss auf mein Sein zu erkennen. Ich bin. Das betrachte ich als Wahrheit. Ohne diese Wahrheit ist alles denken, alles erkennen, alles wahrnehmen ein Traum. Wenn ich nicht existiere ist auch alles andere nicht existent. Das ist meine Erkenntnis aus der so oft von Esoterikern bemühten Quantenphysik.
Erst durch meine Wahrnehmung wird die Welt für mich so, wie sie ist. Ihr lebt in anderen Welten, manche ähnlich meiner eigenen, die meisten weit entfernt, fremd, manchmal unbegreiflich.

So langsam wird es absurd. Erst eine Steckdosenleiste. Eine abgesicherte für den PC. Ich hatte noch eine. Vorausschauend gekauft. Nach ein paar Jahren gehen die bei Nutzung kaputt. Dann der Wasserkocher. Dann der PC. Erst seit Tagen ständig an. So habe ich einen. Ein neuer gebrauchter ist bestellt. Ich bin gespannt, ob ich meine Grafikkarte da einbauen kann.
Ich will seit Tagen ein paar Basssessions aufnehmen. Das Wort möchte man von einer Schlange aus dem Kino gesprochen hören. Doch zurück zur Musik. Sowohl mit dem Billigmikrophon, als auch mit dem eingebauten, waren die Aufnahmen mit dem Laptop unbrauchbar.
Ich habe mir ein neues Mikrophon bestellt und heute angeschlossen. Es hat sich nichts verändert. Der Laptop kann keine Musik aufnehmen. Nächster Versuch. Mikrophon an den (kaputten) PC anschließen. Er erkennt es. Aber Audacity will es nicht. Sobald ich das Mikrophon freischalte hängt sich Audacity auf. Zum Glück kein dauerhafter Suizid.
Ständig neue Aufgaben. Wäre ich ein Esoteriker, könnte ich jetzt darüber nachdenken, ob das Universum mich prüfen will.