Mittlerweile merke ich die Wirkung des Medikaments nur noch morgens, wenn ich mich ächzend aus dem Bett wälze und nach der ersten Dosis der Schmerz langsam verschwindet. Die Rauschwirkung ist nur noch gering, für viele ein Grund dafür die Dosis zu erhöhen. Ich kann das Bedürfnis fühlen und ignorieren. Ich bin zwar mittlerweile bei vier bis fünf kleine Pfeifchen am Tag angelangt. Doch von einem Gramm oder mehr pro Tag bin ich weit entfernt.
Cannabis hilft nicht gegen die Hitze. Gestern waren es 28 Grad, nicht draußen im Schatten, sondern in meiner Höhle. Das mag gegen die Sommerhitze draußen kühl wirken, ist aber auf Dauer schlecht für den alten Fleischsack, den ich mit Doping funktionsfähig machen muss. Ich will einen neuen. Leider glaube ich nicht an Reinkarnation.
Ich glaube an die vielen Leben in einem Leben. In dem Punkt glaube ich meiner Erinnerung. Es gab so viele Brüche, so viele Abstürze, Neuaufbau, Wandel. Und jedes mal musste ich mich neu erfinden, die Persönlichkeit an die veränderte Situation anpassen. Das passiert auch jetzt. Nicht nach einem Absturz und notwendigerweise, sondern freiwillig und absichtlich. Ich erfinde gerade eine Rockband. Der einzige Mensch darin bin ich. Eher zufällig bei der Arbeit mit meinen vielen Werkzeugen entstanden, gefällt mir die Idee immer besser.
Cannabis macht mich nicht kreativer, nur fleißiger. Die lästigen Arbeiten, die mit jedem Bild, jedem Text, jedem Song verbunden sind, fallen mir leichter. Auf dem Jahrmarkt der Eitelkeiten ist das wichtig. Da zählt nicht der Inhalt, sondern die Verpackung. Da zählen Klicks und Tags. Die Tags kann ich schreiben, für die Klicks seid ihr zuständig.

