Tag 22

Meine Kommunikation funktioniert oberflächlich betrachtet. Doch ich bin froh nicht ständig mit Menschen reden zu müssen. Reden geht mir zu schnell, ist unkontrollierbar. Ich höre mir ja oft selbst zu, beobachte, wie ich versuche meine Sicht auf die Welt zu erklären, ohne etwas falsches zu sagen. Ich habe viel falsches gesagt. Was ich denke ist noch viel falscher.
Nur nichts falsches sagen. Diese einprogrammierte Angst ist viel älter, als ich dachte. Sie beginnt beim ersten Wort. Statt einfach vor mich hin zu plappern, sollte ich bestimmte Lautfolgen wiederholen. Mama, oder Papa. Einfach nur ständig wiederholen. Nichts weglassen. Nichts hinzufügen. Nichts falsches sagen begleitete meine gesamte sprachliche Entwicklung und noch bei meinem letzten Besuch meiner Mutter verbot sie mir über bestimmte Dinge zu reden.
Die Lektion „nichts falsches sagen“ lernt wohl jedes Kind in irgendeiner Form. Auch ich kann lügen. Sogar relativ gut, wenn ich rückblickend an die vielen erfolgreichen Bewerbungsgesprächen denke. Ich kann so gut lügen, dass ich mich selbst gut genug belog, um zu glauben, was ich in so einem Bewerbungsgespräch sagte. Ich sah nicht, dass ich log.
Ich glaube nicht daran, dass man mit Sprache vernünftig kommunizieren kann. Zumindest nicht mit der gesprochenen. Man hat keine Zeit da zu sitzen, den Erklärungsversuch zu formulieren, zu prüfen, ob die Worte den Gedanken transportieren. Ich kann Geschichten erzählen. Aber etwas gut erklären gelingt mir mündlich in einer Prüfung von vermitteltem Wissen, aber nicht, wenn es darum geht mich zu erklären.
Schreiben ist nicht viel besser. Auch wenn ich hier noch so viele Seiten vollschreibe, bleiben das doch nur Facetten, nur Bilder und Gedanken darüber, nur Worte. Ich kann mit Worten spielen, Gedanken jonglieren, Verse schmieden. Doch wer ich bin, kann ich euch nicht sagen.
Wo am meisten von mir zu finden ist, ist in meiner Musik. Das ist die Fülle, in der ich lebe.
Jamaikafeeling? Fehlanzeige. Die Hitze macht mir zu schaffen. In den Keller gehen, um mich abzukühlen oder unter die Dusche zu springen, verschafft nur kurz Erleichterung. Mir saugt diese Hitze die Kraft aus dem Körper, es ist zu heiß für meinen gewohnten Mittagsschlaf. Für Schlaf in jeder Form. Sonst könnte ich den Tag verschlafen und die kühlere Nacht zum Leben nutzen. Gegen Hitze hilft Cannabis überhaupt nicht.

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