Ich habe Rückenschmerzen. Vom schlafen. Ich sollte vielleicht mal etwas intensiver über eine neue Matratze nachdenken. Oder noch besser: eine kaufen. Doch ich bin geizig geworden. Finanzielle Armut hat Folgen. Nur so kann ich genug sparen, um mir eine neue Matratze kaufen zu können. Oder einen neuen PC, eine neue Waschmaschine, eine neue Gitarre oder auch nur ein paar neue Saiten.
Ich lebe gut von der Grundsicherung, brauche die Tafel nicht und wenn die verfluchten Zigaretten nicht wären, hätte ich noch deutlich mehr Reserven. Das war nicht immer so. Wer säuft hat nie Geld. Oder nie lange. Geld für die Sauferei musste ich mir immer irgendwie verdienen. Durch Arbeit oder Bettelei, eins wie das andere verlorenen Zeit. Ich habe viel Geld versoffen. Das liegt zum Glück Jahrzehnte hinter mir.
Noch sind die Kosten meiner Medikation überschaubar, auch wenn ich wieder Tabak rauche. Der ist teurer. Ich rauche viel. Daran ändert auch der Trick nichts nur vor dem Haus zu rauchen. Der schützt mich nur vor noch mehr, vor der ständig brennenden Kippe am Schreibtisch. Ein Päckchen Tabak am Tag. Ich weiß, was Sucht ist.
Scheinbar habe ich endlich alle Puzzleteilchen zusammen, um einen Roman zu schreiben. Angefangen habe ich schon ein paar mal, mit ein paar nebligen Ideen bis in die Sackgasse. Ich könnte daran arbeiten, doch ich habe mit dem letzten Puzzelsteinchen begonnen: der Stadt.
Es gibt Menschen, die sich so eine Stadt vorstellen und im Gedächtnis behalten können. Ich kann das nicht. Meine Fantasie braucht eine Krücke, ein Bild, das ich betrachten kann. Ich habe mehrfach versucht mir so eine Stadt selbst zu konstruieren, doch dazu braucht man mehr Grafiken als ich in weniger als drei Jahren zeichnen kann.
Der andere Weg hat besser funktioniert. Forge of Empire. Eine Simulation mit beeindruckender Grafik. Drei Jahre lang habe ich gespielt, um eine ausreichende Auswahl an Gebäuden und genügend Platz für meine Stadt zu haben. Jetzt habe ich das erste Spiel beendet und angefangen mit den Gebäuden eine Stadt für einen Roman zu entwerfen und es funktioniert. Die Stadt gehört einem Avatar namens Silbenknicker. Ich erschaffe eine Kunstfigur, zum ersten mal bewusst.
Kunstfiguren habe ich ja schon oft erschaffen. Wenn ihr mir begegnet, seht ihr eine Kunstfigur. Mich kann ich euch nicht zeigen. Ich bin zu viele und einige von mir bleiben besser im Keller.
Der Künstler Arpan Phoenix ist so eine Kunstfigur, entstanden aus Swami Prem Arpan, einer anderen Kunstfigur. Die habe ich zwar auch mit etwas Hilfe von Bhagwan erschaffen, doch ohne Idee davon, wer Arpan ist oder sein soll. Arpan ist der, der ich geworden bin.
Silbenknicker ist nur eine virtuelle Version von mir, eine Comicfigur, ein Gestaltwandler, der mit seiner Musik durch den Weltenbund wandert. Ich mag Science Fiction und bin gespannt, wohin mich diese virtuelle Reise führt. Wenn ich nicht weiter weiß, hilft mir ein Blick auf den Stadtplan.
Superhelden. Superman, der Alien meiner Kindheit mit der Achillesferse Kryptonit. Unverwundbarkeit war immer mein größter Wunsch. Schmerz und Gewalt zu erfahren gehörte zu den prägendsten sozialen Erfahrungen und wirkt bis heute in vielen Aspekten meines Verhaltens nach. Auch eine schlechte Erziehung hat Folgen.
Perry Rhodan, der Astronaut mit dem Zellaktivator. Ich las während der Lehrzeit drei Auflagen seiner Abenteuer parallel, hätte so gern mit ihm getauscht und gleichzeitig Zweifel, ob ich mit relativer Unsterblichkeit noch Risiken eingegangen wäre. Wenn man sowieso sterben muss kostet das Risiko nur Zeit. Eventuell viel Zeit. Lebenszeit im schlimmsten Fall. Doch wenn man nicht zwangsweise irgendwann sterben muss? Ist dann das Leben nicht viel kostbarer? Auch wenn man nur hundert oder tausend Jahre dazu gewinnen kann, her damit. Ob ich dann mein Leben riskiere oder mich weiter als Eremit im hessischen Outback verstecke, kann ich im Einzelfall entscheiden. Im Moment habe ich nicht das geringste Bedürfnis meine Einsiedelei zu verlassen.
Silbenknicker. Jetzt habe ich meinen eigenen Superhelden. Einen uralten und nach seinen Maßstäben relativ jungen Gestaltwandler. Was der alles kann, wird sich zeigen. Er wird auf jeden Fall Musik machen können. Ich muss mir wohl ein Charakterblatt bauen. Eigentlich sogar mehrere. Für jede Gestalt ein eigenes.
Ich bin Rentner. Ich darf Tauben füttern. Füttern, nicht futtern und auch nicht vergiften Herr Kreisler. Trotzdem Danke für dieses Lied. Ich muss zum Tauben füttern auch nicht in den Park gehen. Die Taube sucht seit gestern im Schatten vor meinem Haus nach Körnern. Vergeblich. Hier liegt zwar Stroh, aber kein Korn. Sie hat mich kontaktiert, als ich zum rauchen vor die Tür ging und dort eine Weile still stand. Also streute ich ihr etwas Dinkel in die Gasse, das sie ohne Scheu auch direkt vor meinen Füßen nahm. Ich könnte sie jetzt in eine Falle locken und verspeisen. Tue ich aber nicht. Lohnt sich noch weniger als ein Rebhuhn.

