Tag 18

Kann man schon mit Stress aufwachen? Ich kann das. Die Ursache lässt sich mit einem Wort beschreiben: Amt.
Mein interner Amtwecker hat geklingelt. Mein Sozialticket läuft bald ab und ich konnte noch kein neues beantragen. Das Amt hat mir die dazu notwendige Bescheinigung noch nicht geschickt. Ich muss mich ständig um diese lästige Bürokratie kümmern. Verlängerung der Grundsicherung im Alter, Heizkostenantrag und ein neues Ticket brauche ich auch. Ich habe genug gelernt, um halbwegs erfolgreich durch den Dschungel aus Anträgen und Formularen zu kommen. Stress erzeugt es trotzdem. Ich muss dazu ja in mir fremden Bahnen denken, nicht nur eine fremde Sprache, sondern auch eine fremde Denkweise benutzen. Eine Zeit lang hat dieser Kampf gegen Windmühlen sogar Spaß gemacht, jetzt will ich nicht mehr kämpfen. Und muss doch jedes Jahr aufs Neue in den Ring.
Das Hauptproblem ist, dass diese Anforderungen von außen mit denen in meinem eigenen Kopf kollidieren. Ich habe ja mehr Aufgaben, als ich auch ohne Amt erledigen kann.
Alben hochladen. Das bedeutet Beschreibungen und Tags schreiben, für Soundcloud ins Englische übersetzen. Audio hochladen und als Video herunterladen für YouTube. Beschreibung der einzelnen Titel übersetzen. Mit Audio.com habe ich noch nicht mal richtig angefangen. Teilen ist harte Arbeit. Doch das hat die Gesellschaft verdient, das ist das, was ich für mein täglich Brot tun kann. Ich konnte leider nicht tun, was ich sollte. Was ich teile ist der Grund dafür.
Eine Aufgabe aus meiner langen Liste ist erledigt. Liedbeschreibungen für alle vier Alben habe ich jetzt auch in Englisch. Jetzt fehlen noch ein paar Grafiken. Dann kann ich die Videos für YouTube generieren.
Doch der Vormittag ist fast rum. Zeit für mein spätes Frühstück.
Lohnt sich der ganze Aufwand? Für mich? Anerkennung hat jeder gern, da bin ich wie alle. Von meiner Arbeit leben zu können wäre noch schöner. Es geht. Ich kann mich mit einer Staffelei voller Drucke in eine Fußgängerzone setzen und wenn ich Glück habe, lässt mich das Ordnungsamt in Ruhe. Zum überleben reicht das. Ich habe meistens so mehr eingenommen als mit der Arbeit in meinem Beruf. Als Bettler würde ich sogar noch mehr Geld verdienen. Und verdienen ist keine zufällige Wahl. Betteln ist harte Arbeit. Doch wie soll ich neue Werke schaffen, wenn ich in einer Fußgängerzone rumsitzen muss? Da ist noch so viel unvollendet und neues kommt ständig dazu. Ich habe keine Zeit für die Jagd nach Tauschmitteln. Ich habe keine Zeit dafür zu tun, was ihr von mir wollt. Es ist mein Leben, meine Zeit, alles was ich habe.
Ob sich meine Arbeit für euch lohnt, kann ich nicht beurteilen. Manche Lieder werden gespielt, manche Bilder betrachtet, manche Worte gelesen. Das reicht mir.
Nach all der Mühe…andere Mühe. Der kurze Bassloop da unten hat mich auch eine Stunde gekostet. Das einspielen war schnell vorbei. Aber die Audiodatei will entrauscht und von Fehlern gesäubert werden. Dann folgt Schritt b und es wird alles miteinander kombiniert. Was die KI wohl dazu meint?