Muss ich wirklich jeden Tag etwas schreiben? Wer hat mir das befohlen? Das war ich selbst. Die Motivation hinter diesem Befehl habe ich jetzt auch gefunden. Ich muss meine Medikamente selbst bezahlen. Es gibt für den Einsatz bei Neurodiversen keine Studien. Die kann ich zwar selbst nicht schreiben. Ich bin ja nur ein Einzelfall. Doch vielleicht hilft sie ja dabei eine solche Studie zu unterstützen.
Ich war vor fast zehn Jahren wegen dieser Art der Therapie schon an der Uni Bochum und sprach in der Psychiatrie mit einem Professor, der dieses Medikament dort einsetzt. Er sah den potentiellen Nutzen für mich, konnte mir aber kein Kassenrezept ausstellen, weil Cannabismedikation starren Regeln folgt. Ob andere Psychopharmaka billiger sind kann ich nicht beurteilen. Der Hauptgrund für diesen Zustand ist, dass die Pharmaindustrie kein Interesse daran hat die erforderlichen Studien zu finanzieren. Eine Mauer aus Geld, die Konkurrenten fern hält. Auch unabhängige Studien kosten Geld, doch nur wenige wollen sie bezahlen.
Ich kann keine Studien schreiben. Ich habe noch nicht mal ein Abitur. Ein Schicksal, das ich mit vielen Neurodivergenten teile. Schreiben kann ich mittlerweile, sogar fast fehlerfrei. Doch ich schreibe lieber ein Lied als eine Studie.
Ich befinde mich gerade wieder in einer Phse mit überwältigendem Schaffensdrang. Jede Störung ist unwillkommen. Außer meiner Nachbarin, dem einzigen Menschen, der mein Weltbild zumindest halbwegs versteht. So wie ich ihres. Immer noch fremd, aber nachvollziehbar. Weltbilder sind das, was unsere Kommunikation prägt. Je ähnlicher sie sind, um so leichter fällt ein Blick hinein.
Überwältigender Schaffensdrang. Das ist mehr als eine Sucht. Zwingender aber befriedigender. Aus mir selbst heraus, befreiend wenn er leben darf, schmerzhaft wenn ich ihn unterdrücken soll. Das war eure Art von Arbeit für mich, schmerzhaft. Und es hat nichts mit meinen Fähigkeiten zu tun. Ich kann für Menschen kochen. Wenn ich es auf meine Art und Weise tun darf. Ich mache sogar meinen Dreck wieder weg.
Ihr wollt Profit mit eurer Arbeit machen, ich meinem Schaffensdrang ein Spielfeld geben. Irgendwie passt das nur selten zusammen.

