Danach


Das letzte Massensterben hatte nicht einmal eine Sekunde lang gedauert. Die Satelliten bekamen ihre Befehle und einen Augenblick später verwandelten Mikrowellen alle Städte des Planeten in sterile Aschewüsten. Wie viele Arten mit den Menschen ausgelöscht wurden, konnte niemand zählen.
Die Satelliten kreisten ausgebrannt über einer toten Welt.
Es gab Oasen des Lebens auf der verwüsteten Welt, kleine Flecken unverbrannter Wildnis, auf die kein Satellit ausgerichtet gewesen war. Auch in diesem letzten Krieg hatte die Kosten-Nutzen-Rechnung den Einsatz der Mittel bestimmt und so hatten scheinbar bedeutungslose Gebiete ein wenig Biomasse vor der Vernichtung bewahren können.
Und diese Biomasse expandierte, nicht nur in die verbrannten Gebiete, sondern auch in die Vielfalt. Der plötzlich frei gewordene Lebensraum erforderte oft drastische Anpassungen und Mutation wurde zur Norm. Nicht jede davon schuf eine neue Art, die meisten verschwanden innerhalb einer oder weniger Generationen. Und nicht nur die Arten änderten sich, sondern auch das Wesen der Biomasse.
Wo Milliarden Jahre lang fressen und gefressen werden den Rhythmus der Existenz bestimmt hatte, funktionierte dieses Prinzip nicht mehr. Das Erbe der Menschheit bestand nicht nur aus Lebensraum und Asche. Die Strahlen aus der Umlaufbahn hatten nicht nur organisches Material verbrannt. Auch die Errungenschaften der Zivilisation waren geröstet, verändert, freigesetzt worden. Die Atmosphäre hatte sich verändert, der Boden war gesättigt mit Chemikalien, das Wasser sauer.
In dieser Umgebung war Kooperation das Werkzeug des Überlebens. Nur wenige Tierarten hatten in den Flecken des Lebens überlebt und starben in wenigen Generationen aus, weil sie ihre Lebensräume kahl fraßen. Höhere Pflanzen konnten sich nicht dagegen wehren und starben auch aus.
Pilze überlebten. Pilze hatten schon lange vor der Katastrophe gelernt miteinander und auch mit anderen Arten zu kommunzieren. Ihnen war es möglich die verbrannte Welt jenseits der verschonten Zonen zu besiedeln, die chemischen Substanzen dieser Gebiete zu nutzen, statt daran zu sterben. Dazu war Kooperation unerlässlich. So wie einst die ersten Zellen durch Kooperation mehrzellige Lebensformen schufen, entstand nun aus mutierten Pilzen ein Organismus aus unterschiedlichen Arten, ein einziges Wesen mit vielfältigen Formen und Funktionen und wurde sich bewusst als: WIR.