Still saß der Junge auf der Bullenwiese und lauschte dem Geräusch, dass die Tiere beim rupfen des üppigen Grases machten. Sein Schulranzen lag unbeachtet neben ihm und längst hätte er zuhause sein sollen. Doch ihn lockte weder das wartende Mittagessen, noch die Gesellschaft anderer Menschen. Dafür war auch später noch Zeit.
Jetzt war seine Zeit. Zeit ohne Forderungen und Pflichten, ohne Befehle und Regeln, ohne Vorträge und Geschrei. Seine Eltern mochten es gut mit ihm meinen, seine Lehrer glauben ihn das Richtige zu lehren. Doch nichts davon hatte etwas mit ihm zu tun, nichts stillte seine Bedürfnisse, nichts befriedigte seine Neugier.
Man gab ihm zu essen und ein Bett zum schlafen. Doch gab das ihnen das Recht über seine Zeit zu bestimmen? Warum durfte er nicht lernen, essen, spielen, leben wie er sich fühlte?
Der Junge gehorchte, wenn es ihm möglich war. Ging brav zur Schule und saß gelangweilt zwischen andren Kindern eingepfercht. Fremden Kindern. Kindern aus dem Dorf, dass unterhalb der Wiese am Flussufer vor sich hin döste. Es war kein großes Dorf und trotzdem eine fremde Welt. Der Junge ging dort nur zur Schule, lebte weit außerhalb auf dem Berg, der wie ein Keil den Fluss zu seinen Füßen in eine große Schleife zwang.
Täglich wanderte der Junge während der Schulzeit ins Tal hinab, saß seine Stunden ab und stieg dann wieder auf den Berg hinauf. Diese Wege waren es, die den Jungen prägten. Diese Momente, wenn er allein mit der Welt war, mit den Wiesen und den Wolken, den Kühen und dem Wind.
Es gab Geräusche in dieser Welt, doch in ihm war es still.
Ich kann diese Stille noch immer hören.

