Männer

Männer bleiben ein Leben lang Kinder. Sie spielen nur. Auch ich. Ich spiele beim spülen, spiele beim putzen, spiele mit Worten und aus manchem Spiel entsteht das, was ich euch als Kunst präsentiere.
Manche Männer spielen mit ihrem Leben, springen von Klippen, steigen auf hohe Berge, rasen in den Tod. Auch ich habe diese Spiele einst geliebt und freudig daran teilgenommen. Ich habe nicht gewonnen, nur überlebt. Die Sieger von damals sind die Denkmäler von heute.
Für viele Männer ist gewinnen wichtiger als das Spiel selbst und sie sind so besessen vom Streben nach dem Sieg, dass sie es den Ernst des Lebens nennen. Doch es bleibt ein Spiel, egal wie viele Schätze sie anhäufen. Würden sie das Leben wirklich ernst nehmen, würden sie mit ihrem Spiel nicht Tod und Verderben sähen, wohin man auch blickt.
Manche Männer erfinden Spielregeln und zwingen andere sich daran zu halten, die ihrerseits versuchen die Regeln zu umgehen oder Lücken im Regelwerk für sich zu nutzen. So ändern sich im Lauf der Zeit die Spiele und auch die Bedingungen für die Spieler. Die sind nicht für alle Spieler gleich. Nur wer auf der richtigen Position auf dem Spielbrett des globalen Monopoly sein Vermögen investiert darf auf eine Ernte hoffen. Wer ohne Vermögen mitspielen will muss wegen Unvermögen ins Gefängnis. Wer etwas anderes spielen will sucht oft vergeblich nach Mitspielern.
Männer wollen spielen. Deshalb brauchen sie eine Mutti, die sich um die ganz profanen Nebensächlichkeiten wie saubere Hemden kümmert. Ohne Mutti verlottern viele Männer und schimpfen dann auf die undankbaren Weiber, die, statt sich um Heim und Herd zu kümmern, nun selbst mit spielen wollen und dabei oft erfolgreicher als die Männer sind. Was für eine Schande. Gegen eine Frau zu verlieren ist für viele Männer unerträglich.
Es gibt Männer, die nicht mehr mitspielen wollen. Spielverderber, die den Ellbogen einziehen und lieber den Hintern ihrer Kinder abwischen als mit Artgenossen gegen einen Ball zu treten. Echte Männer nennen sie Weicheier und blicken voll Verachtung auf sie herab. Doch es gibt mehr davon, als man denkt.
Und es gibt Männer wie mich, die statt beim Monopoly um die Badstraße zu streiten lieber ein Kartenhaus bauen. Allein. Ohne Sieger und Verlierer.

Der Wahrheitsgehalt dieses Beitrags mag gering sein, doch ich finde den Blickwinkel interessant.

Monopoly sollte man übrigens als Kritik am Kapitalismus betrachten. Das Spiel zeigt deutlich, dass Reichtum auch ohne die real existierende Geburtslotterie nur mit Glück entsteht. Wer kein Glück hat geht pleite.