Wirtschaftswachstum

Ob irgendein Politiker weiß, warum die Wirtschaft wachsen muss? Wie ein Mantra wiederholen sie das heilige Wort des Kapitalismus und scheinen nicht einmal zu wissen, wovon sie reden. Oder sie verschweigen dem Volk mit Absicht, welchem perversen Zweck Wirtschaftswachstum dient.
Der Grund für den Zwang der Wirtschaft ständig zu wachsen ist relativ einfach und sogar leicht verständlich. Die Wirtschaft muss wachsen, um die durch Zinsen erfunden Werte in reale Werte zu verwandeln. Zinsen wachsen ja nicht auf Bäumen und können einfach geerntet werden.
Eine einfache Rechnung: Wenn die Geldmenge 1000 Irgendwas beträgt, ich mir 100 Irgendwas leihe und dafür 10 Irgendwas Zinsen zahlen soll, entstehen in den Büchern der Banken plötzlich 10 Irgendwas, die es vorher nicht gab. Wenn ich die geliehenen 100 Irgendwas zurück gebe, sind die 1000 Irgendwas wieder vollständig. Woher nehme ich die 10 Irgendwas, die die Bank als Zinsen verlangt? Genau, aus Wirtschaftswachstum.
Ganz so einfach ist es natürlich nicht, es gibt die künstliche Wertschöpfung der Banken und andere Faktoren. Doch Wirtschaftswachstum ist nur das Gegengewicht zu dem künstlich geschaffenen Geld. Nur deshalb wird es gebraucht. Sonst würde Wirtschaftswandel reichen, eine Wirtschaft, die sich veränderten Bedürfnissen und Produktionsmethoden anpasst. Wenn wir so eine Wirtschaft hätten, müsste dank der Maschinen niemand mehr als vier Stunden täglich arbeiten.
Wir könnten eine Wirtschaft haben, die sich an den Bedürfnissen der Menschen orientiert, Nahrung, Wohnraum und ausreichend Konsumgüter zur Verfügung stellt. Nicht einmal das schafft unser Wirtschaftssystem. Wir ertrinken in Plunder, nur produziert um konsumiert und weggeworfen zu werden, um Wirtschaftswachstum zu generieren.
Andererseits verhungern noch immer Menschen, weil zwar der Wohlstand einiger wächst, aber mit Hunger, Armut und Sklaverei bezahlt werden muss. Auch Wohlstand wächst nicht auf Bäumen und das Märchen, dass dieser Wohlstand von uns oder unseren Eltern erschaffen wurde, ist nur teilweise richtig. Ohne Ausbeutung von Mensch und Natur wäre das nicht in wenigen Jahrzehnten möglich gewesen. Unser Wohlstand ist geklaut.
Im Kielwasser der Wirtschaftsideologie wurde Gier zur Staatsdoktrin. Jeder sollte mehr wollen, als er braucht und mehr arbeiten als notwendig. Wir müssen Lebenszeit verschwenden, um mehr konsumieren zu können und so Wirtschaftswachstum zu ermöglichen. Wir sind Sklaven einer Idee geworden, gehorchen den bunten Bildchen der Propaganda und ackern uns in den Untergang.
Ja, die globale Armut ist in den letzten Jahrzehnten geringer geworden. Das Argument wird meiner Kritik immer wieder entgegen geschmettert. Doch die globale Armut hätte auch ganz beseitigt werden können. Dazu hätten wir nur teilen müssen. Doch statt zu teilen verteilen wir Almosen. Wir spenden und sammeln die Spenden dann mit Hilfe der Wirtschaft wieder ein.
Der sogenannte Kommunismus ist gescheitert. Doch es hat ihn ja auch nie gegeben. Was uns bis heute als Kommunismus und schlechtes Beispiel präsentiert wird war Staatskapitalismus und scheiterte hauptsächlich an falschen Prioritäten bei der Verwendung der Produktionsmittel. Dazu kam die ständige Propaganda des goldenen Westens, der mit Überfluss und Luxus prahlte.
Fragt die Menschen in Ostdeutschland einfach mal, wie viel von den Segnungen dieses Überflusses sie nach dem Mauerfall bekommen haben. Sie bekamen die Freiheit zu wählen, gehen oder bleiben. Doch nur wenige von ihnen sind wohlhabend geworden, viele sind ärmer als vorher.
Der aus dem Wirtschaftswachstum generierte Wohlstand wird ja nicht geteilt, sondern von den Gewinnern des globalen Monopolys gehortet und mit Klauen und Zähnen verteidigt. Die Sieger investieren statt Zeit das durch Zinsen erwirtschaftete Geld, mehren ihre Profite und gönnen den Armen die Butter auf dem Brot nicht.
Wehe dem, der sich weigert mit seiner Zeit und Arbeitskraft die Profite der Investoren zu mehren. Der wird erniedrigt, sanktioniert und bestraft. Für das heilige Wirtschaftswachstum sollen die Hungerleider ordentlich in die Pedale treten, produktiver werden, mehr arbeiten.
Jeder weiß oder ahnt es, dieses Kartenhaus wird einstürzen. Nicht zum ersten mal. Die Zeichen mehren sich, dass die Kapitalisten auch dieses mal die altbewährte Methode des globalen Krieges wählen werden. Wenn alles in Schutt und Asche liegt, kann man das Spiel neu starten.
Vielleicht sollten wir diesmal etwas anderes versuchen. Eine Wirtschaft ohne Gier und wachsende Profite. Eine Wirtschaft, die den Menschen dient statt umgekehrt. Zur Zeit dienen die Menschen der Wirtschaft und ich halte das für verrückt. Aber ich bin ja auch nicht normal.