Ich

Wer bin ich? Dieser Satz war lange Zeit mein Mantra, der Gedanke, zu dem ich immer wieder zurück kehrte. Mittlerweile habe ich erkannt, dass dieser Satz unvollständig ist. Er muss lauten: Wer bin ich jetzt?
Ob auch andere Menschen sich so empfinden, immer wieder anders? Oder haben sie eine feste Vorstellung davon, wer sie sind? Es gibt ja den Satz: Sei der, der du sein willst. Ich will nur ich sein, kein Bild von mir, sondern ich. So wie ich bin.
Auch wenn ich weiß, dass dieses Ich nur eine Simulation ist, die mir zu erklären versucht, wer sie ist. Doch ich habe kein anderes Werkzeug, muss mich mit dieser Möbiusschleife zufrieden geben. Ich versucht zu erklären, wer Ich ist. Das Leben steckt voller Absurditäten.
Wer bin ich? Ich habe mich einmal mit einem Stück Treibholz im Rhein verglichen, bei Niedrigwasser träge am Ufer liegend, bei Hochwasser auf den schäumenden Wellen reitend. Das mag in einer Gesellschaft voll von Karrieristen und Selbstoptimierern seltsam klingen. Doch es ist genau das, was der Name Arpan bedeutet: Hingabe.
Ich bin nicht ganz so willenlos wie ein Stück Holz, treffe Entscheidungen und bewege mich scheinbar selbstbestimmt. Doch ich verfolge keinen Plan, habe kein Ziel. Ich denke nicht über die Konsequenzen nach, wenn ich eine Entscheidung treffe. Man könnte es jetzt positiv Spontanität oder Authentizität nennen. Doch es ist einfach so, ich kann nicht anders.
Egal wie ich mich entscheide, ich bin der Existenz nicht weniger hilflos ausgeliefert als ein Stück Holz. Ein Ziel zu erreichen, mir einen Wunsch zu erfüllen, ändert daran nichts. Wünsche und Ziele sind nur hell leuchtende Gedanken in meinem Kopf und wenn ein Ziel erreicht, ein Wunsch erfüllt ist, verblasst der Gedanke und ein neuer fängt an zu leuchten.
Es gibt nur ein Ziel, für das ich kämpfen, mich anstrengen und bemühen würde: Unsterblichkeit. Irgendwo lauert der Tod und es gibt kein sicheres Versteck, keinen Bunker, keinen Ausweg. Meine Existenz wird enden. Die Märchen der Religionen können mir keinen Trost spenden. Als Engel auf einer Wolke sitzend Harfe zu spielen ist keine Vorstellung, die mir Freude bereitet. Ich werde mit dem Tod aufhören zu existieren. Egal was meine Quanten machen.
Deshalb gibt es für mich kein morgen, keine Zukunft. Es gibt Gedanken darüber. Morgen kann ich wieder einkaufen. Ob ich es tue entscheide ich aber nicht heute. Es ist nur eine mir bekannte Option.
Es gibt nur Jetzt und jetzt bin ich Autor. Und alt. Noch nicht gebrechlich, aber schon etwas ramponiert. Vielleicht auch etwas mehr. Jetzt sitze ich vor der Tastatur und versuche mit Worten ein Bild von mir zu zeichnen. Und je länger ich das tue, um so weniger entspricht dieses Bild mir. Ich passe nicht in ein Bild.
Doch auch das ist nicht wichtig. Es ging mir nicht um das Bild. Es ging mir nur darum zu schreiben, einen schwarzen Hintergrund mit grünen Flecken zu bedecken. Die Informationen, die diese Flecken transportieren, werden bei euch sowieso anders ankommen, als ich sie denke. Ich muss mich also nicht um das Bild bemühen, sondern nur um die Flecken.
Wer bin ich? Früher nannte ich mich einen Querdenker, doch seit dieser Begriff von durchgeknallten Spinnern besetzt ist, wäre eine mit diesem Wort übermittelte Beschreibung meiner Person irreführend. In einem Lied nenne ich mich selbst Nichtsnutz, Gammler und Tagedieb. Doch das ist nur eine Provokation, eine Reaktion auf die Leute, die mich mit diesen Worten beleidigen wollten.
Ich bezeichne mich als Künstler. Doch nicht weil ich mich als Künstler sehe, sondern weil es euch hilft mich irgendwo einzusortieren. Auch in diesen Rahmen passe ich nicht. Es gibt nur eine Kategorie, in die ich mich widerwillig einsortieren kann: Ich bin ein Mensch.
So wie ihr. Nur anders.

Komponiert mit Udio (KI)