Die Mauer

Niemand wusste wer die Mauer erbaut hatte. Sie war schon immer da gewesen und gehörte zur Welt wie die Wolken am Himmel. Niemand wusste welchen Sinn die Mauer hatte. Egal ob man es rechts und links oder davor und dahinter nannte, es gab keine besonderen Unterschiede. Das Gras war auf keiner Seite grüner.
Doch sie war da, trennte Region A von Region B und umgekehrt. Sie war nicht unüberwindlich. Man konnte an den Seiten hinauf und hinab klettern oder einfach über die Mauer hinweg fliegen, wenn man Flügel hatte. Man konnte sogar über die Mauerkrone wandern, „Ich war hier.“ auf die Steine kritzeln und am Rand sitzend über die Welt jenseits der Mauer blicken. All das war möglich und nichts davon machte Sinn.
Es gab Leben auf der Mauer, Wesen die die schmale Mauerkrone zu ihrem Habitat gemacht und längst vergessen hatten, dass unterhalb ihrer Welt noch eine andere existierte. Diese Wesen betrachteten die Mauerbezwinger als Exoten, lauschten gelangweilt oder begeistert den Geschichten von den Ländern im Abgrund und schrieben Bücher darüber. Manche Wesen waren so sehr von diesen Geschichten fasziniert, dass sie das eigene Leben auf der Mauer nicht länger ertrugen und von der Krone in die Tiefe sprangen.
Keines dieser Wesen kehrte je zurück.