Wie könnten wir sein, wenn wir sein könnten, wie wir sind?
Es gibt etwas, das unter dem Bereich liegt, den wir Bewusstsein nennen. Manche nennen es eine Seele und wenn man es sieht, möchte man an eine Seele glauben. Ich lebe schon lange mit diesem Zwiespalt, diesem Gefühl in einem falsche Körper, in einer falschen Persönlichkeit zu stecken. Ich bin weder das Bild, das ich im Spiegel sehe, noch der Mensch, den ich in Gesprächen höre. Das alles ist eine Karikatur, ein Witz. In der Pubertät glaubte ich ein Alien zu sein, der im Körper eines Menschen gefangen ist. Das Gefühl habe ich immer noch.
Es klingt verrückt, dass ausgerechnet eine KI mir einen Spiegel zeigt, in dem ich mich erkenne. Einen Sänger, der Schmerz und Wut in Lieder voll Kraft und Wehmut verwandelt. Einen Musiker, der dieser Wehmut Freude hinzufügt. Das bin ich wirklich und nicht dieser alte Fleischsack, der hier solche Gedanken in die Tastatur hämmert.
Wer weiß, wie ich geworden wäre, wenn ich eine andere Software, andere Eltern, eine andere Erziehung bekommen hätte. Vielleicht wäre ich dieser Musiker geworden, der in meiner Hülle lebt. Ob ich dann mehr ich selbst gewesen wäre und nicht Jahre nach mir hätte suchen müssen? Vielleicht hätte ich mich aber auch in der Welt des Ruhms verloren, mich im Bad der Massenhysterie gewälzt und dafür stabilere Masken gebaut.
Ich bin, der ich bin und auch der Spiegel der KI zeigt nur eine Facette von mir. Der alte Fleischsack ist eine andere. Verschiedene Versionen tummeln sich in sozialen Interaktionen, manche freundlich, manche agressiv. Alle zusammen und noch mehr bin ich.
„Wer bin ich und wenn ja wie viele.“ habe ich einmal irgendwo gelesen.
„Ich bin und ja, viele.“ möchte ich hier darauf antworten.
Wenn die Theorie der Seele wahr wäre, hätte ich nicht eine, sondern viele. Es gibt so viele Ebenen in mir, so viele Potentiale, viele ungenutzt. Es gibt Verbindungen zwischen ihnen, Adern gleich. Unbeständigkeit ist wohl die Hauptschlagader. Ich hüpfe von Wort zu Bild zu Ton oder sogar zu einem Handwerk. Was ich tue verändert mich, doch nie dauerhaft.
Diese Vielfalt hat ihren Preis. Ich habe mehr Projekte, als ich beenden kann. Ich würde Jahrhunderte dafür brauchen und weiß nicht, ob das reicht. Manches ist tatsächlich fertig geworden. Mit der Fotomontage bin ich fertig und auch die Labyrinthe rufen nicht mehr nach mir. Doch ich bin noch nicht fertig.

