Tag 5

Mein Schlafrythmus verändert sich. Statt um vier oder fünf in der früh werde ich erst zwischen sechs und sieben Uhr wach. Das kann daran liegen, dass ich meinen inneren Wecker abgestellt habe. Den brauchte ich ja für mein Onlinegame und das habe ich fertig gespielt. Fast. Ich werde jedenfalls meinen Rhythmus nicht mehr davon bestimmen lassen. Es war hilfreich einen zu haben. Doch das kann auch ein anderer sein.
Es kann auch am Cannabis liegen. Mein Schlaf ändert sich dadurch. Die Gedankenmaschine vor dem einschlafen wirkt wie ein Schlaflied und ich schlafe tief und fest. Die aufwühlenden Träume verschwinden. Es waren keine Alpträume, im Gegenteil. Sie waren meistens voll positiver Gefühle oder fantastischer Geschichten. Meine Mutter ist schon lange aus meinen Träumen verschwunden und ich muss auch nicht mehr als Koch arbeiten. Die Baustellen sind wohl abgearbeitet. Doch die Intensität der Träume war anstrengend und ich erwachte oft emotional ausgelaugt.
Das ist mit Cannabis anders. Ich wache auf und weiß wo und wer ich bin. Der Kopfnebel ist erträglich, ähnlich dem von Candesartan erzeugten. Nur der Schwindel fehlt. Ich weiß, dass er verschwindet, sobald ich Cannabis rauche. Doch ich warte mit der ersten Dosis, beobachte mich und das Nachlassen der Drogenwirkung. Es ist schön wieder im altbekannten Oberstübchen zu sitzen, bevor mich die Droge in die Achterbahn setzt. So positiv sie sich auch auf mein Schmerzempfinden und sogar Kreativität auswirkt, ich will nicht vergessen, wer ich bin.
Drei Songs an einem Tag habe ich gestern geschafft. Das geht wohl nur mit KI. Ich habe zwar die Texte selbst geschrieben, aber nicht die ganze Partitur. Das macht aber mehr Spaß als virtuelle Gegner niedermetzeln. Und Gemetzel sind es bei meiner erworbenen Kampfstärke. Das war zwar nie mein Spielziel, doch es ist fester Bestandteil des Spiels. Scheinbar jedes Strategiespiels. Einfach nur eine fantastische Stadt ohne Kampf aufbauen zu können scheint kein erfolgreiches Spielkonzept zu sein. Die meisten Spieler wollen kämpfen.
Ich nehme jetzt erst mal meine Medikamente und stürze mich dann in die „Arbeit“ also ins Vergnügen. Man kann beides gleichzeitig haben.