Pause Der Cannabisrausch wird ja oft als Zustand beschrieben, in dem man dumpf in einer Ecke liegt. Bei mir bewirkt er das Gegenteil. Es fühlt sich an, als würde die emotionale Kerze an drei Enden brennen, obwohl sie nur zwei Enden hat. Der Name Phoenix steht nicht umsonst in meinem Ausweis. Ich mag diesen Zustand. Aber bevor ich wieder mal zu Asche werde, mache ich heute lieber eine Pause. Die üblichen Schmerzen meiner Muskulatur sind sowieso hinter Muskelkater verborgen. Das tut zwar auch weh, aber der Schmerz macht Sinn.
Vielleicht zeigt die umgekehrte Wirkung von Cannabis den Lesern einmal anhand dieses Beispiels, wie anders mein Gehirn funktioniert. Ich ticke schon immer anders. Jedenfalls soweit es mir meine Erinnerung erzählt. Erinnerungen. Es könnten die eines anderen sein, ein Buch, ein Film. Ich weiß, dass ich es so oder so ähnlich erlebt habe. Doch das hat nichts damit zu tun, wer ich jetzt bin. Das muss ich tatsächlich in jedem Moment neu entscheiden, intuitiv, nicht bewusst und manchmal unkontrollierbar.
Unkontrollierbar ist zum Glück fast verschwunden. Ich gebe darauf keine Garantie, doch meistens habe ich den Berserker im Zaum. Auch der gehört zu mir. Ich bin viele und nicht alle in mir sind nett.
Der Rauschzustand hinterlässt eine Art Kater, ein Gefühl von Nebel, durch das man denken muss. Nicht unangenehm wie der Kater von Alkohol. Den erspare ich mir zum Glück seit 25 Jahren. Dieser Kater fühlt sich sogar fast gut an. Das emotionale Feuerwerk ist vorbei.
Leider kommen langsam auch die Schmerzen zurück. Allerdings würde ich den Muskelkater auch unter Drogeneinfluss fühlen. Der ist ja echt und nicht psychosomatisch. Was ich noch nicht beurteilen kann ist, ob der Schwindel schon wieder das Resultat der Blutdrucksenker ist, oder zum Kater gehört. Die Rückkehr zur ursprünglichen Medikation zeigt jedenfalls sehr schnell Wirkung. Mein Blutdruck ist von 160 wieder auf 144 gesunken. Gestern war mir nicht schwindlig. Auch dieses Leiden scheint Cannabis zu beseitigen. Allerdings habe ich noch keine Lust das Feuerwerk wieder zu starten. Mal abwarten, wie sich der Schmerz entwickelt. Ob der Schwindel bleibt.
Darüber zu schreiben hilft übrigens nicht nur euch, dabei zu beurteilen, ob diese Therapie Sinn macht. Es hilft auch mir dabei genauer auf die Wirkungen und Wechselwirkungen zu schauen. Einige davon sind erstaunlich. Ich habe gestern Menschen angesprochen, sie gefragt, ob sie Interesse an meiner Musik haben. Trotz Ablehnung meines Angebots eine großartige Erfahrung. Schläge und Dressur haben diese Gabe doch nicht zerstört. Ich habe zwar gelernt einigermaßen mit Menschen zu kommunizieren, mache aber sonst nicht den ersten Schritt. Doch ich erinnere mich an ein Kind, dass das konnte. Besoffen ging das auch, aber nur stockbesoffen.
Einige Stunden später. Wäsche waschen, Artikel schreiben, ein kleiner Spaziergang. Es geht alles auch ohne Cannabis. Schmerzhafter und mit weniger Intensität. Aber es tut gut geistig mal wieder im Normalzustand zu sein. Meinem Normalzustand. Das bedeutet auch müde. Ich mache jetzt einen normalen Mittagsschlaf.

