Tag 7

Was ist Glück? Wer auf meine Kleidung oder mein Hab und Gut schaut, wird mich nicht für einen Glückspilz halten. Doch ich bin einer. Das durfte ich heute mal wieder beobachten. Bus verpasst gilt allgemein als eine mittlere Katastrohe. Ich habe mich auch geärgert, als er vor meiner Nase davonfuhr. Der Zug hatte Verspätung, ich konnte den Bus noch sehen, aber nicht mehr erreichen. Es gibt ungünstigere Momente für eine pünktliche Abfahrt.
Ich hatte jedenfalls reichlich Zeit, über eine Stunde, bis zum Glück noch ein nächster Bus abfahren sollte. Er fuhr auch, ich bin zuhause. Ich war in der „großen“ Stadt gewesen, in Marburg. Zu voll, zu laut, zu dreckig. Dazu später mehr.
Was macht man mit einer unverplanten Stunde, mit Zeit, die man hilflos der Gegenwart ausgeliefert ist. Ich hatte in meinem Leben viele solcher Stunden und machte sie mir angenehm. Kaffee und Erdbeerkuchen wie ein Rentner, der ich ja nun mal auch bin. Trotz Regen draußen. Es gab nur wenige Plätze mit Schirm und so nahmen auch andere Menschen am Tisch Platz. Schon das war eher ungewöhnlich. Ich bin daran gewöhnt gemieden zu werden. Dann auch noch ein angenehmes, überraschendes, wohltuendes Gespräch führen zu können, war ein Geschenk. Das ist Glück.
Ich könnte mich in diesen Menschen verlieben. Ein lebendiger Geist hinter einem faltigen Gesicht. Heimatlos. Wie ich so lange. Eigen, wie ich immer noch. Außen alt, innen jung.
Das war aber nicht der einzige Glücksfall an diesem Tag. Ich brauchte einen neuen Wasserkocher. Den habe ich in einem Laden in Marburg auch kaufen können. Billiges Plastik, aber ohne DPD. Ich brauchte eine neue Hose, weil eine alte von mir einen großen Riss an der Arschtasche hat. Unreparabel. Ich fand im Secondhandladen die gleiche in einer anderen Farbe. Für zwei Euro. Mehr Glück geht nicht.
Das Leben ist gut, wenn man mit dem Fluss treibt und nicht verzweifelt versucht die Quelle zu erreichen. Der Fluss fließt ins Meer, nicht zurück.
Ich bin ein glücklicher Mensch.