Ich werde es wohl so wie gestern machen und bis zum Nachmittag mit der ersten Dosis warten. Ich habe es gestern auch mit kleinen Joints versucht. Wenn ich sowieso Tabak rauche, kann ich auch die auf die heftigen Kicks mit der Purpfeife verzichten. Das macht finanziell Sinn, spart eine Menge von der teuren Apothekenware. Doch mein Verbrauch ist geringer als am Anfang befürchtet. Wahrscheinlich komme ich mit meiner Kalkulation von 70,- € im Monat auch mit Joints hin.
Kicks. Darum geht es im Drogensumpf. Ich habe dort eine Menge Zeit verschwendet. Haben Dealer Personal? Ich war so etwas ähnliches. Nur ohne Arbeitsvertrag. Ich schleppte Paletten von Dosenbier, hakte Holz, ging mit den Kindern zum Spielplatz, kochte. Dafür durfte ich dabei sein, mir am Tisch sitzen, Karten spielen, Bier drinken, Hookas rauchen. Das wichtigste dürfte wohl gewesen sein mit am Tisch sitzen zu dürfen.
Ich habe lange und an vielen Orten nach meinem Rudel gesucht, nach dem in meiner frühen Kindheit wohl vorhandenen Gefühl irgendwo dazu zu gehören. Ob Ashram oder Beziehung, Job oder Bauwagenplatz, Penner oder Geliebte, niemand konnte mir dieses Gefühl geben. Es lag nicht an den anderen, es liegt bis heute an mir.
Ich habe mich als Kind zu einem Eigenbrötler. Auch besoffen und bekifft war ich ein Alien. Aber besoffen konnte ich mich halbwegs als Teil der Herde fühlen. Nicht so eng und warm wie in einem Rudel, aber auch nicht wie ein Komet in der Kälte der Unendlichkeit. Meine Droge war Alkohol. Den Rest konsumierte ich einfach mit. Bei der Schnapsrunde in der Kneipe sagt ja auch niemand nein. Manchmal wundere ich mich darüber, dass ich in diesem Sumpf nicht zum Junkie wurde.
Ich kannte einige Heroinabhängige und alle waren bemüht mich davon fern zu halten. Ein großes Danke euch dafür. Ich habe diese Szene ohne größere Schäden verlassen können. Jede Szene. Auch die der Trinker.
Jetzt seit 25 Jahren trocken fühle ich mich mittlerweile zumindest lose den Menschen verbunden. Allen. Oberflächlich. Dem Vermieter und der Verkäuferin im Supermarkt. Ich gehöre zu dieser Spezies. Mehr nicht.
Ich sitze noch immer viel vor dem Bildschirm. Dieser Blog frisst Zeit, die Musik frisst Zeit. Schreiben lehrt meinen Geist. Allerdings ist das keine Folge des Cannabiskonsums. Ich muss mich schon immer auskotzen. Das ist das, was ich tue. Ich kotze euch meine Beobachtungen vor die Füße. Ob ihr reintretet, müsst ihr selbst entscheiden.
Kunst kommt von müssen. Ich muss Lieder und Gedichte schreiben. Es gibt zu viel Verhalten in dieser Gesellschaft, dass ich nicht verstehe. Zu viele seltsame Ideologien, zu viel Religionen, zu viel Dogma, zu wenig Musik. Man hat mir oft vorgeworfen nicht erwachsen werden zu wollen. Wenn erwachsen werden bedeutet so wie ihr zu werden verzichte ich freiwillig darauf. Ich verschwende meine knappe Lebenszeit nicht dafür Paläste für die Reichen zu bauen. Oder für die erfundenen Götter. Ich verstehe eure Gier nicht. Ich habe meine eigene. Ich will mehr Zeit.
Die Medikation auf den Nachmittag zu schieben war eine gute Idee. Es ist morgens zwar etwas mühsamer mich zu bewegen, aber ich kann so die Rauschwirkung besser beobachten. Von einer Prise bin ich zu einer Messerspitze übergegangen. Jetzt setzt die Drogenwirkung sanft und langsam ein. Leichtigkeit und Entschleunigung. Es sind jetzt nicht alle Schmerzen weg. Der körperliche Verschleiß ist vorhanden und sendet Signale. Doch der Schmerz tut nicht mehr weh.
Besser kann ich es nicht erklären.

