In meiner Wohnung steht ein Klavier.
Der Vermieter hat es hier abgestellt. Es ist das Klavier aus der Schule, die es hier früher noch im Dorf gab. Es scheint billiger zu sein die Kinder mit dem Bus in eine moderne Lernfabrik zu fahren, als sie im Dorf zu unterichten. Schade. Die Zwergschule meiner Kindheit war einer der wenigen Orte, an denen ich funktionierte. Für mich ist das die beste Schulform, die wir bisher hatten. Sie war inklusiv.
Klavier. Es ist nicht das erste mal, dass ein Klavier in dem Haus auftaucht, in dem ich wohnen darf. In der ersten Kneipe meiner Mutter stand ein Klavier auf dem Saal. Ich durfte darauf nicht spielen. Es gehörte uns nicht. Ein Gedanke, den ich auch über fünfzig Jahre später nur mit einem Teil meines Gehirns verstehe. Dem Teil, wo die mir bekannten Gewohnheiten der Eingeborenen gespeichert sind. Wirklich verstehen kann ich diesen wie so viele andere Gedanken nicht.
Anfang des Jahrtausends durfte ich dann noch einmal eine Zeit lang ein Zimmer mit Klavier bewohnen. Eigentum des Vermieters, aber spielbar. Die ersten Ideen zu Nataraj sind darauf entstanden.
Und jetzt, wieder ein Klavier. Ich kann das Instrument eigentlich nicht spielen, durfte es nicht lernen. Es klingt verstimmt. Doch ich kann auch auf diesem Instrument komponieren, passende Töne mit einem Rhythmus versehen und wiederholen. So spiele ich auch Bass und Gitarre und jedes andere Instrument, dass mir in die Hände fällt. Mit den tragbaren habe ich nur mehr Übung. Meine Kompositionen kann ich darauf manchmal ohne Fehler spielen. Zum Glück bremsen mich die Fehler nicht mehr.
Klavier. Wenn das Microphon da ist, werde ich wohl auch damit ein paar Experimente wagen. Ich brauche neues Material für die Klangmühle.

