Tag 13

Cannabis ist ein Neuromodulator, eine Substanz, die nachweisbar das Gehirn verändert. Deshalb beobachte ich den Vorgang so intensiv. Es ist mein Gehirn und es ist mir lieb und teuer geworden. Ich will intelligent bleiben. Hochintelligent, auch wenn das manche nicht glauben wollen. Außerdem gehört mich selbst zu beobachten zu den Dingen, die ich zum Glück gelernt habe. Ein Beisipiel:
Ich habe mehr Löffel als der „accountant“ aus dem gleichnamigen Film. Es sind verschiedene und sie haben eine Reihenfolge bei der Nutzung. Manche Löffel sind mir lieber als andere. Ich mag große, aber leichte. Ich beobachte, wie ich wähle, mich für oder gegen die Reihenfolge entscheide. Ich denke, dass ist nur durch die Beobachtung möglich. Üblich ist es in die Schublade zu greifen und blind einen Löffel zu nehmen. Vermutlich. Ich habe es jedenfalls so gelernt.
Beobachten, reflektieren, erkennen. Es ist nicht zwangsläufig die Wahrheit, die ich so finde. Ich habe blinde Flecken. Mein Trauma. Vielleicht sehe ich das aus einem falschen Blickwinkel, weil ich ein Rudel vermisse. Es kann sein, dass mein Mutter mir nicht schadete, sondern mich rettete. Vor was auch immer. Vielleicht war es das Leben in der Gemeinschaft einer Sippe, dass mich traumatisierte und nicht die Trennung davon. Wahrscheinlich werde ich die tatsächlichen Hintergründe nie herausfinden und selbst wenn, fände ich nur meine eigene Wahrheit. Was die anderen Beteiligten erlebten, warum sie sich so und nicht anders entschieden, spielt in dieser privaten Wahrheit keine Rolle.
Ob diese Welt tatsächlich existiert oder nur ein Quantensimulation ist spielt keine Rolle. Ich erlebe die Welt, unabhängig davon, ob sie echt ist oder nicht. Mein Gehirn erzählt mir Geschichten, interpretiert unabhängig von meinem Bewusstsein jede Wahrnehmung. Die Wahrheit findet man dort nicht. Die Wahrheit kann man nicht erkennen, sondern nur erleben.