Ich habe heute ein Date. Es geht nicht um Sex, sondern nur darum einem Menschen zu begegnen. Es gibt nur noch sehr wenige, bei denen mir das gelingt. Die Lebenswelten der meisten Menschen sind zu weit entfernt. Ich habe die Gespräche mit meiner Nachbarin. Wir teilen nicht alle Ansichten, doch sie ist der einzige Mensch, für den ich kein Theater spielen muss. Sie kennt und akzeptiert mich ohne Maske. Vielleicht gibt es ja noch jemand. Und wenn nicht wird es eine Erfahrung mehr.
Wirklich ich sein durfte ich nur in der Gosse. Wer als Penner an der Straße sitzt, muss keine Erwartungen erfüllen. Und am Straßenrand zu sitzen und auf Almosen zu warten, ist die beste Meditation auf dem Marktplatz, die ich kenne. Man kann sich nicht in Aktivität flüchten, muss aber wach und aufmerksam bleiben.
Ein Date. Oder sollte ich es Termin nennen? Date klingt so anrüchig. Das Wort weckt falsche Vorstellungen. In dem Sinn, wie es in amerikanischen Filmen so oft verwendet wird, hatte ich noch nie eins. Ich funktioniere so nicht, obwohl ich es mir in meiner Jugend gewünscht habe. Wenn schon keine Begleitung auf dem Lebensweg wenigstens sexuelle Erleichterung auf einem strukturierten Weg zu finden, hätte mir viel Qual erspart. Qual mit meiner eigenen Natur, die sich einfachen nehmen wollte, was ihr gefällt. Ich hatte meine Vergewaltigungsfantasien immer im Griff, aber schmerzhaft waren sie trotzdem.
Eine Verabredung, ich nenne es jetzt einfach bei der deutschen Variante.
Frühstück mit einem Menschen. Das hatte ich schon lange nicht mehr. Zwei Stunden ungezwungene Gespräche, ohne mich zu verstecken. Eine Wohltat, die es leider nur noch selten gibt. Vor fünfzig Jahren hatte ich noch mehr davon. Sie wohl auch. Der Abschied fiel ihr sichtbar schwer. Ob es ein Abschied für immer war? Das kann jeder Abschied sein. Zwei Wochen Urlaub in der Karibik haben vielleicht ein Rückflugticket, aber keine Rückkehrgarantie.
Vielleicht schreibt sie mir eine Postkarte. Sonst ist sie verschwunden wie so viele Menschen, denen ich begegnete. Ich pflege keine Kontakte, kümmere mich nicht. Dieses Sozialverhalten ist bei mir verkümmert.
Ich beobachte Routinen, die Versuche meines Gehirns es mir leichter zu machen. Dabei macht es nicht nur eine Menge Fehler, es nimmt mir auch Entscheidungsmöglichkeiten ab.
Im Moment lenkt das Standartprogramm die Schritte immer wieder zu einem Aschenbecher, der seit meinem Entzug im Frühjahr nicht mehr existiert. Gehirne sind doof.
Stress? Der neue PC ist da. In meinem Haushalt liegen vier Tastaturen rum, aber keine mit USB. Soll ich schon wieder nach Marburg fahren oder eine im Internet bestellen? Muss ich das Gerät sofort nutzen? So ein neuer PC kann eine Menge Stress verursachen.
Aufbau, Datensicherung und Softwareinstallation. Konfiguration. Das dauert Stunden und dann muss ich auch noch Mint statt Ubuntu lernen.
Der alte PC läuft. Ich darf ihn nur nicht ausschalten. Ich nutze jetzt wieder die Aufnahmemöglichkeit für meine Gitarre mit dem Tonabnehmers. So nehme ich zwar nur eine Monospur auf, doch damit kann ich arbeiten. Ich muss mir wegen dem neuen PC also keinen Stress machen. Funktioniert auch ohne Cannabis. Ich habe Zeit. Das neue Album fertig zu stellen ist mir wichtiger. Noch ein, zwei Songs, dann geht es online.

