Die euphorisierende Wirkung der Droge lässt nach und auch der Schmerz wird nach drei bis vier Stunden wieder fühlbarer. Auf die Wirkung auf den Geist könnte ich verzichten. Ich habe gelernt ohne Drogen (außer Kaffee und Kippen) nicht nur für mich zu funktionieren, sondern auch nichts mehr zu vermissen. Ich bin auch ohne Drogen kreativ.
Doch Fenster putzen fällt mit Cannabis deutlich. Ich mag geputze Fenster. Aber ich habe viele davon und sie schmerzfrei putzen zu können ist eine große Erleichterung. Ein Haushalt ist Arbeit. Die möchte ich ohne Hilfe erledigen können.
Schmalzbrot zum Frühstück. Zwei statt vier Brote. Im Gegensatz zu den in den Medien verbreiteten Bild vom Heißhunger, wirkt bei mir die Droge als Appetitzügler. Vielleicht werde ich meine Wampe doch wieder los.
Der alte Mann im Spiegel. Ich habe ein Lied darüber geschrieben. Es ist nicht der alte Mann, sondern der Mann. Meinen Körper im Spiegel zu sehen, war schon immer zwiespältig. Ich habe damit gespielt, Bart oder kein Bart, Mähne oder Glatze. Der Mann im Spiegel blieb ein Fremder. Ob mit oder ohne Bauch. Dieser Körper ist mein Gefängnis und doch das einzige Werkzeug, das ich habe. Mein Bewusstsein ist darin gefangen, doch nur aus diesem Käfig heraus kann ich schreiben, malen, Fenster putzen.
In der Pubertät hatte ich lange das Gefühl ein Alien zu sein, der in diesem seltsamen Fleischsack gefangen ist. Das Gefühl hat mich nie verlassen, der Gedanke schon. Die Bedürfnisse dieser Hülle haben mich lange gequält. Hunger und Durst beseitigen zu müssen, geil zu sein oder wütend, dieser Körper hatte Ansprüche. Hunger und Durst habe ich immer noch, doch Wut und Geilheit sind zum Glück nur noch Schatten.
Dafür füttert mich der Leib jetzt mit Schmerzsignalen und Gebrechen. Er hat Jahrzehnte lang gut funktionert, trotz der oft ignorierten Bedürfnisse. Er lies mich diese Welt betrachten, trug mich durch viele Abenteuer und persönliche Katatstrophen, bekam ein paar Macken. Jetzt beginnt der Tag mit Rückenschmerzen, vielleicht sollte ich meine Matratze austauschen.
Ich habe lange auf der harten Erde geschlafen. Sogar wenn ich meine Mutter besuchte, schlief ich in meinem Schlafsack. Mein Bett hatte ich immer dabei. Betten waren mir zu weich. Das hat sich verändert. Der Boden ist mir heute zu hart. Vielleicht sollte ich mir ein Futon kaufen.

