sang einst Rio Reiser und zählte einige davon auf. Wie viel Wahrheit in diesem Lied steckt, muss jeder selbst entscheiden. Und nicht nur dort. Wir sind ständig gefordert den Unterschied zwischen Wahrheit und Lüge zu erkennen und es gelingt uns nur teilweise.
Lügenbilder zu machen war die ursprüngliche Idee, als ich vor über vierzig Jahren anfing die ersten Fotomontagen zu basteln. Ein scheinbar reales Bild mit dieser Technik unauffällig in eine faustdicke Lüge zu verwandeln war nie meine Absicht. Meine Lügen sind offensichtlich. Der Betrachter sieht sofort, dass etwas nicht stimmt. Ich wollte ja nur lügen, nicht betrügen. Meine Fotomontagen erzählen Lügengeschichten und wie viel Wahrheit darin steckt muss jeder selbst heraus finden.
Die Fotomontage hat durch die digitale Bildbearbeitung leider schon lange den heiligen Tempel der Kunst verlassen und wurde zur Massenware, zum Propagandainstrument. War es am Anfang noch überwiegend die Werbewirtschaft, die dieses Mittel für die Vermittlung ihrer Botschaften nutzte, basteln heute mit KI Hinz und Kunz an ihren Bildern herum und teilen ihre Lügen mit der Welt. Doch nicht als Lüge deklariert, sondern als Wahrheit angepriesen.
Die Flut an Fälschungen im Internet will ja nicht lügen, sondern versucht den Schein als Wirklichkeit zu verkaufen. Gefälschte Bilder werden benutzt um Personen lächerlich zu machen, Feinde zu beleidigen, Menschen zu verletzen. Wie man immer häufiger sehen kann wird das Bild und sogar das bewegte Bild mit den Mitteln der Kunst für üble Zwecke missbraucht.
Es geht der Kunst nicht besser als der Wissenschaft und welcher Missbrauch schlimmer ist wird sich bald zeigen. Die Kunst der Fotomontage ist die Atombombe des Informationszeitalters. Das mag übertrieben klingen, doch der Kampf der Lügen hat gerade erst begonnen.
Die Lüge war schon immer das wichtigste Werkzeug der Politik, Galileo könnte wie Rio ein Lied davon singen. Ob Priester oder Kaiser, mit ständig wiederholten Lügen wurde die Menschenherde dressiert, in Kriege geschickt, in Armut gehalten. All das ist nicht neu. Neu sind nur die Werkzeuge, die es nun jedem erlauben zum Priester zu werden und seine Lügen als Wahrheit zu verkaufen. Und fast jeder Priester findet Gläubige. Manche mehr, manche weniger.
Ich will keine Gläubigen, ich habe keine Wahrheiten. Ich habe eine Menge Lügen und weiß noch nicht mal selbst, welche Wahrheiten darin versteckt sein mögen. Ich weiß, dass mein Gehirn mich belügt. Wie soll ich damit eine Wahrheit finden?
Ich mag Lügen, lese seit Jahrzehnten Fantasy und SF und erfreue mich an den fantastischen Welten, die der menschliche Geist sich ausdenken kann. Doch ich glaube den Märchen nicht. Auch nicht meinen eigenen.
Lügen sind nicht schlimm und gefährlich. Die Wahrheiten sind es.

