Lösungen

Warum fällt es uns so schwer Lösungen für die zahlreichen Probleme zu finden, die deutlich sichtbar vor uns liegen? Wir haben die Fähigkeiten, die Werkzeuge, die Sprache.
Die Fähigkeit uns mit Worten einander verständlich zu machen gehört zu den menschlichen Eigenschaften, die Zivilisation und Kultur erst möglich gemacht haben. Ohne eine gemeinsame Sprache funktioniert Zivilisation nicht. Doch es reicht nicht die Sprache des Landes, in dem wir leben, zu verstehen und sprechen zu können. Das ist noch keine gemeinsame und für jeden verständliche Sprache. Schreiner und Arzt sagen nicht das gleiche, wenn sie Stuhl sagen.
Die meisten Menschen werden die unterschiedliche Bedeutung des Wortes erkennen und wissen, was gemeint ist. Doch das Beispiel zeigt, wie oft wir aneinander vorbei reden. Wir nutzen und verstehen Worte nicht alle gleich. Gesendete und empfangene Informationen sind nicht identisch, auch wenn wir die gleichen Worte nutzen. Den meisten Menschen ist das bewusst und im Alltag funktioniert Sprache gut genug, um Verständigung möglich zu machen. „Gib mir den Zehner.“ hat zwar auch verschiedene Deutungen, doch niemand wird mir einen Geldschein reichen, wenn ich unter einem Auto liege.
Es sollte aber trotz unterschiedlicher Bedeutung einzelner Worte möglich sein durch Gespräche Lösungen für Probleme zu finden. Das Gegenteil ist der Fall und es liegt nicht an der Sprache. Wir wollen den Inhalt mancher Sätze nicht verstehen, lügen und leugnen Fakten, streiten über Worte statt über Maßnahmen. Der Grund dafür ist einfach.
„Das haben wir schon immer so gemacht.“ ist der Satz, den ich leider viel zu oft hören musste und zeigt, wo wir bei der Suche nach Lösungen immer wieder versagen. Die meisten Menschen wollen nichts ändern und vor allem nicht das eigene Verhalten. So lange ein Problem sie nicht persönlich betrifft, möchten sie ihren funktionierenden Alltag nicht gegen unbekannte Lebensweisen tauschen. Der brave Bürger ist ein Gewohnheitstier.
Es gibt Ereignisse, die Veränderungen erzwingen. Der Verlust von Arbeit, Wohnung oder Partner ist für viele dramatisch. Sie glaubten in Sicherheit zu sein, die größte Lüge der Gesellschaft. „Werde zum Mitläufer und du bist sicher.“ verspricht die Politik, die Werbung, die Kirche.
Und die Menschen glauben diese Lüge, denn sie macht das Leben bequem. So führt auch der Zwang zur Veränderung oft nur dazu das eigene Leben neu zu tapezieren. Man tauscht die Wohnung, den Partner, den Job. Doch man ändert nicht sein Leben. Ich weiß, wovon ich rede. Ich habe meine Fehler ja oft genug wiederholt.
Die Lösung steckt schon im Wort. Ein Problem zu lösen funktioniert nur, wenn man sich von etwas löst. Zuerst einmal von alten Vorstellungen. Wo der alte Weg, das alte Verhalten nicht mehr funktioniert, muss man einen neuen Weg suchen. Mein Problem war der Wunsch dazu zu gehören. Als ich aufhörte nach meinem Rudel, meiner Sippe zu suchen, verschwand auch mein Problem. Ich bin seit über zwei Jahrzehnten trocken.
Ja, es war teuer. Ich musste mein Alleinsein akzeptieren, ein Preis, den ich lange nicht bezahlen wollte. Doch Lösungen gibt es nicht umsonst. Etwas zu lösen, los zu lassen, kostet immer etwas. Deshalb werden Lösungen so oft vermieden. Ich habe es dennoch geschafft mein Alkoholproblem zu lösen, mich von der Ursache gelöst, los gelassen. Welche Wünsche, welche Vorstellungen hindern euch daran eure Probleme zu lösen?